Archive für Kategorie: Feminismus von Heute

In einem Kommentar unter diesem Artikel in der FAZ befindet sich folgende Aussage unter der Überschrift „Dialektisch“:

„Wohin wir gesellschaftlich wollen ist klar: Wir wollen eine ausgeglichenere Geschlechterverteilung. Naturlich wollen wir auch faehige Menschen in Fuehrungspositionen. Das wird sich ja wohl irgendwie erreichen lassen. Wenn Unternehmen glauben, der Weg zum Ziel ist ein Befoerderungsstop fuer maennliche Mitarbeiter, dann sollen sie mal machen, solange die Aktionaere mitspielen. Mir persoenlich faellt es leicht, es zu akzeptieren. Ich bin der einzige Mann in einer sechskoepfigen Familie. Ich bin auch der Hauptverdiener. Ja, ich buesse durch verbaute Karierrechancen wohl Einkommen ein, aber mit Mitte-Vierzig bin ich finanziell schon auf der sicheren Seite und meine Toechter werden ihren Weg schon gehen. Vielleicht muss man das alles dialektisch sehen? „

Zitat von Jurgen Conrad (fconrado)

Ich weiß nicht ob dieser Beitrag eine Satire auf feministische Argumentation sein soll, aber es könnte ohne Probleme so von einem redegewandten Feministen stammen.

Die Rhetorik und Argumente im einzelnen zerpflückt:

„Wohin wir gesellschaftlich wollen ist klar: Wir wollen eine ausgeglichenere Geschlechterverteilung.“

Äh, nein, das ist nicht klar. Die Mehrheit will sicherlich Chancengleichheit, bei gleicher Leistung und gleichen Ambitionen. Aber ob die Mehrheit tatsächlich eine statistische Gleichverteilung um jeden Preis haben will, insbesondere wenn der Preis die Bevorzugung von Frauen alleine aufgrund ihres Geschlechtes, Frauenquoten und ähnliche Privilegien sind oder aus staatlich unterstützter Umerziehung von Berufswünschen und Lebensplanungen besteht, kann zurecht bezweifelt werden. Warum sollte sich eine Mutter über die Benachteiligung ihrer Söhne nur Aufgrund des Geschlechtes begeistert zeigen?

„Naturlich wollen wir auch faehige Menschen in Fuehrungspositionen. Das wird sich ja wohl irgendwie erreichen lassen. „

Natürlich wollen wir fähige Menschen in Führungspositionen, was den sonst? Für die Bevorzugung auch weniger fähiger Kandidatinnen wird sich wohl kaum einer offen einsetzen. Sollte man meinen. Findet sich aber auch, denn dies sei ja dann ein Ausgleich für die Frauendiskriminierung von Vorgestern. Das dieser „Ausgleich“ in einer Benachteiligung von Männern ausgerechnet in der Generationen mündet, die am wenigsten für diese vorgestrige Diskriminierung kann, nämlich die aktuelle Generation an Schulabgängern und die ihr Nachfolgenden, interessiert nicht, denn der heutige Lobbyfeminismus ist eine kollektivistische Angelegenheit. Die Männer tragen eine Art Kollektivschuld. Was nicht mal für die eigentlich verantwortlichen Generationen so zu postulieren ist, denn Kollektivschuld gibt es nicht. Schuld liegt immer bei Individuen.

Am meisten können sich unter Männern daher offenbar diejenigen für gesetzliche und anderweitige Frauenquoten begeistern, deren Schäfchen im Trockenen sind. Und dies mach Herr Conrad auch im Rest seines Beitrages deutlich.

„Ja, ich buesse durch verbaute Karierrechancen wohl Einkommen ein, aber mit Mitte-Vierzig bin ich finanziell schon auf der sicheren Seite und meine Toechter werden ihren Weg schon gehen.„

Er schreibt in seinem Beitrag auch, dass alle anderen Familienmitglieder weiblich sind, genauer: er hat nur Töchter. Natürlich ist Herr Conrad für die Frauenquote. Selber abgesichert unterstützt er nun reine Klientelpolitik für die Verwandtschaft, genauer für den eigenen Nachwuchs. Auch dies zeigt eine Lebenslüge des Feminismus auf: Die Angehörigen eines Geschlechtes würden sich immer als eine Interessengemeinschaft wahrnehmen. Dies ist ein großer Irrtum, dem Feministinnen gerne aufsitzen und verbreiten. Das Beispiel der Mutter von Söhnen habe ich oben schon genannt. Aber auch Kritiker des Feminismus sollten diesen Denkfehler reflektieren, um ihm nicht selber auf zu sitzen: Es gibt auch Männer, in deren puren Eigeninteresse es ist, Frauen ungerechtfertigt zu bevorzugen. Männer sind nicht „natürliche Verbündete“ im Kritisieren des heutigen Lobbyfeminismus. Liberale oder wenigstens rational denkende Menschen sind es.

Dem ursprünglichen Feminismus ging es um Gleichberechtigung und darum Nachteile für Frauen abzubauen. Gut, er was damals eine ziemliche Klassenveranstaltung, aber im ging es um Gleichberechtigung und den Abbau von Nachteilen für Frauen, nicht um eine Gleichmacherei oder eine unbedingte statistische Gleichverteilung auf allen Gebieten. Spätestens beim Thema Gebären und den damit verbundenen Folgen wäre dies ja auch für jeden sichtbar offenbar unmöglich gewesen. Letzteres bestreiten auch heute niemand, wenn auch die Folgen heutzutage heruntergespielt und der Gesellschaft vorgeworfen werden.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts trat jedoch John Money, ein Psychologe, in den 50ern mit der Hypothese in die Öffentlichkeit, das soziale Geschlecht (später gender genannt) sei lediglich durch die Erziehung bestimmt und bis zum alter von 3 Jahren noch nicht richtig ausgeprägt und daher durch Erziehung frei formbar. Als Indiz führte er Menschen an, die körperlich keinem biologischen Geschlecht (sex) genau zugeordnet werden konnten, aber trotzdem eine klare Neigung zu einer Geschlechterrolle hatten. Natürlich ist heute klar, dass man beim biologischen Geschlecht zwischen körperlichem Geschlecht und genetischem Geschlecht unterscheiden müsste, das dies natürlich nicht immer korreliert, sondern nur meistens, und Entwicklungsfehler natürlich immer passieren können. Und auch zwischen biologischem Geschlecht (wenn genetisches und körperliches gleich sind) und dem „gefühlten“, wenn man so will emotionalen Geschlecht, dem sich jemand zugehörig fühlt, kann es eine Differenz geben. Dies muss aber nicht statistisch vom genetischen Geschlecht entkoppelt sein, auch wenn sich das körperliche Geschlecht nicht eindeutig herausgebildet hat. Es ist noch kein Beleg für eine reines Determinieren des gesellschaftlichen Geschlechtes durch die Erziehung.

Also zurück zu John Money, der natürlich auch versucht hat seine Theorie zu belegen. Auch nach ihm gab es noch Versuche dazu. Um es kurz und verharmlosend auszudrücken: Die Ergebnisse waren unschön. Die gilt in zweierlei Hinsicht: Zum einen ergaben die hierzu durchgeführten Experimente nicht die gewünschte Bestätigung. Zum anderen waren die Auswirkungen für die betroffenen Opfer dieser Experimente, und Opfer muss man die Betroffenen hier schon nennen, belastend bis grauenhaft. Im schlimmsten Falle, ausgerechnet John Moneys Menschenversuch, katastrophal: Am Ende stand der Selbstmord. Ob dieser durch das Experiment verursacht wurde ist zwar sehr strittig. Die dadurch entstandene psychische Belastung und sein Leiden sind aber unstrittig. Seine Mutter geht davon aus, dass durch diese Belastung sein Selbstmord zumindest gefördert, seine Psyche quasi geschwächt wurde.

Beweise für die Gender-Lehre gibt es bis heute nicht, aber Anzeichen dafür, dass ein nennenswerter Teil der Verhaltensunterschiede sehr wohl vom biologischen Geschlecht mitgeprägt wird. Vermutlich in einer gar nicht mal so der gesellschaftlichen Prägung untergeordneten Größenordnung. Natürlich meint dies nicht, dass jetzt einem Geschlecht konkrete, kulturelle Moden und ähnliche Details in den Genen liegen würden. Sehr wohl aber grobe Neigungen und auch dies natürlich nicht im Einzellfall, sondern statistisch. Ich habe dies in meinem ersten Beitrag zu dieser Reihe näher ausgeführt, auch um die nötigen Hintergrundinformationen (und die dafür sprechenden Indizien und Belege) zum Verständnis und zum Beleg der Aussagen in diesem Beitrag zusammenzufassen.

Die Gender-Lehre wurde jedoch trotz alledem vom Gleichheitsfeminismus aufgegriffen und kritiklos übernommen. Und quasi zum Dogma erhoben. Wehe sie widersprechen der Lehre Simone de Beauvoirs, eine Vorreiterin des Gleichheitsfeminismus, in der Nähe einer ihrer Anhängerinnen oder auch Anhängers. In diesem Zusammenhang ist nochmal darauf hinzuweisen, dass Gleichheit und Gleichberechtigung zwei unterschiedliche Begriffe sind: Bei Gleichberechtigung geht es um den Maßstab, der für alle gleich seien soll; bei Gleichheit kann es, je nach Kontext, um das Postulat gehen, dass es keine (statistischen) Unterschiede gebe; hier meint Gleichheit es gebe (außer zwischen Geschlechtsakt und Ende der Stillzeit) keine von der menschlichen Natur (im Gegensatz zur Gesellschaft) mitbestimmten Unterschiede.

Diesem Gleichheitsfeminismus stand durchaus ein sogenannter Differenzfeminismus gegenüber. Letzterer hat eine Verschiedenheit der Geschlechter angenommen. Ob nun aufgrund biologischer Ursachen oder weil man die gesellschaftliche Konstruktion von Geschlechtsunterschieden nicht komplett verdammt hat. Dies geschah nicht immer in einer aufgeklärten Weise, denn nun war das weibliche Geschlecht auch gerne schon einmal das bessere Geschlecht und das Ziel des Feminismus solle das Matriarchat sein. Natürlich blieben diese beiden Strömungen nicht dauerhaft komplett getrennt, man hat sich durchaus gerne auch mal beim anderen bedient, wenn es auch immer noch Extremvertreterinnen gibt, die sich gegenseitig attackieren.

Heute hat sich daraus eine Strömung herausgebildet, die weitestgehend dem Gleichheitsfeminismus entspringt und sich bei ihm in der Grunddogmatik bedient, aber durchaus bereit ist Anleihen beim Differenzfeminismus zu nehmen, wenn es aufgrund der Faktenlage oder des Vorteils beim theoretischen Untermauern gestellter Forderungen notwendig ist.

Ich nenne diese Strömung vereinfachend „Genderfeminismus“.

Ohne den ganzen Vorlauf in diesem Artikel lässt sich der Genderfeminismus bzw. seine Anhänger grob wie folgt skizzieren:

  1. Laut Genderfeminismus würden Frauen sich tendenziell in ihrem Verhalten und Charakter von Männern unterscheiden und wegen diesen Unterschieden benachteiligt. Das ein (statistischer) Unterschied im Verhalten und Charakter vorliegt glauben nicht nur Feministen. Ich habe, um darauf hinzuweisen, im ersten Beitrag zu dieser Reihe, extra zu diesem Zweck, Informationen zusammen getragen. Genderfeministinnen gehen aber natürlich davon aus, dass dies vollständig oder zumindest überwiegend gesellschaftlich bestimmt sei. Das hat Konsequenzen:
  2. Ein Geschlecht, das gibt es wie ja folglich eigentlich gar nicht. Gut, das biologische Geschlecht lässt sich nicht leugnen. Das hat aber fast nur bei der Fortpflanzung Relevanz und auch hier fast nur auf der physikalischen Ebene. Das meiste folge jedoch gesellschaftlicher Konstruktion. Wie definiert man dann aber das soziale Geschlecht „weiblich“? Nun, ganz einfach: Frau ist ein gesellschaftliches Konstrukt, dass genau diesem Ziel der Diskriminierung diene und folglich auch darüber definiert wird. Diese Ansicht muss man erst einmal ein Weilchen einwirken lassen, um dann die ganzen Implikationen dieses Postulates zu verstehen. Frau bzw. weiblich wird von Genderfeministinnen über die Diskriminierung definiert! Auch dies wird im Fernsehen so nicht verdeutlicht. Auch nicht in Artikeln auf Zeit-Online.

Das es statistische Unterschiede im Verhalten zwischen den Geschlechtern gibt habe ich bereits im ersten Teil dieser Serie ausgeführt und insbesondere auch die Indizien angeführt, die auf einen kausalen Zusammenhang mit dem biologischen Geschlecht (indirekt über den Hormonhaushalt) hindeuten. Um auf diese Hintergrundinformationen und die Belege dazu hier an dieser Stelle verweisen zu können habe ich ihn geschrieben. Und natürlich können unterschiedliche Verhaltensweisen und unterschiedliche Charaktereigenschaften zu unterschiedlichen Ergebnissen in Wirtschaft und Gesellschaft, als auch auf dem Arbeitsmarkt und bei Lohnverhandlungen führen. Für Nichtfeministen sind die statistischen Unterschiede daher nicht unbedingt auf Diskriminierung zurückzuführen (wobei die Lohnunterschiede bereinigt auch gänzlich minimal sind und höchstens (!) 8% betragen, wie Daten des statistische Bundesamtes aufzeigen). Ein anderes Verhalten führt legitimerweise zu anderen Ergebnissen, auch wenn dieses Verhalten mit dem Geschlecht korreliert. Dafür können ja andere nichts (aus genderfeministischer Sicht schon, hier liegt der Unterschied, aber dazu später). Daraus ergibt sich nicht, dass sich zwei Personen, die sich gleich Verhalten und weitestgehend gleiche Charaktereigenschaften haben nur wegen unterschiedlichen Geschlechtes ungleich behandelt würden. Bei unterschiedlichem Körperbau spielt bei körperlicher Arbeit aber natürlich auch noch die körperliche Konstitution eine Rolle. Auch diese korreliert (unstrittiger Weise ohne das jemand etwas dafür kann) mit dem Geschlecht. Hier heraus folgt nicht, dass Frauen gesellschaftlich diskriminiert wären, denn das eine Frau mit gleicher körperliche Konstitution nicht diskriminierungsfrei angestellt würde ist hiermit ja nicht belegt.

Nach genderfeministischer Sichtweise haben wir es aber bei diesen Folgen unterschiedlicher Verhaltensweisen mit Diskriminierung zu tun. Die unterschiedlichen Verhaltensweisen stammten nämlich samt und sonder von einer gesellschaftlichen Ungleichbehandlung im Kleinkinder und Säuglingsalter (und auch noch danach). Man rufe sich in Erinnerung: Weiblich ist über die Diskriminierung und gesellschaftliche Ungleichbehandlung definiert, folglich die Eigenschaft “weiblich” also erst dadurch entstehe.

Da ist natürlich die Annahme statistisch unterschiedlicher Verhaltensweisen eine logische Folge der Definition von Frau und “weiblich”. Aber mehr noch: Auch das für diese unterschiedlichen Verhaltensweisen die Gesellschaft die Verantwortung trägt folgt aus der Definition. Es handelt sich bei “weiblich” quasi um eine von der Gesellschaft zugefügte Behinderung, für welche diese nun Ausgleich zu leisten habe. Unter anderem in dem die Gesellschaft angebliche und tatsächliche Vorteile aus dieser “Behinderung” gefälligst mehr zu schätzen und offiziell zu würdigen habe, quasi als Ausgleich und psychologische Aufmunterungsmaßnahme für Frauen (man rufe sich noch einmal die Definition in Erinnerung: Frau = durch ihre Erziehung und die Gesellschaft im geistig gesunden Aufwachsen geschädigtes Wesen).

Es gibt noch einen dritten Punkt durch den sich Genderfeministinnen meiner Erfahrung nach kennzeichnen:

  1. Sie leugnen ihre Ansicht. Oder stellen diese zumindest immer so da, wie es beim aktuellen Publikum voraussichtlich am besten ankommt. In Talk-Shows und auf Veranstaltungen für Nicht-Feministen reden Genderfeministinnen ganz anders und in Zeitungsartikeln für Nichtfeministen wird anders geschrieben als in Aufsätzen, die sich nach Sprache und Duktus an andere Feministen richten. Auch Frau Schwarzer ist hierfür ein Beispiel. In Talkshows redet Frau Schwarzer nicht nur moderater, sondern teilweise im Gegensatz zu ihren Ausführungen in der Emma, die sich aber überwiegend nur Feministinnen durchlesen oder einige wenige, die zu viel Zeit haben oder hatten und sich diese Texte mal persönlich angetan haben (so wie ich). Es ist ein bisschen wie bei einer Sekte: Innen- und Außendarstellung gehen stark auseinander, auch wenn in diesem Fall nicht mit Copyright und Nötigung gedroht wird, um die unliebsamen internen schreiben zu unterdrücken (wie es bei gewissen Sekten der Fall ist), sondern die Tatsache ausreicht, dass sich Texte von Feministinnen für Feministinnen wegen ihres Schreibstils kaum ein Nichtfeminist antut.

Das ist auch verständlich, denn wenn man sich die genderfeministischen Postulate mal näher anschaut, dann wirken sie nicht gerade respektvoll gegenüber „weiblichen Eigenschaften“, deren Vorteile, wo man solche sieht, nur mit staatlicher Unterstützung zur Geltung kommen könnten. Und auch instinktiv ist das alles wenig überzeugend auf die meisten Zuhörer. Das diese Postulate tatsächlich nicht sehr stichhaltig sind, habe ich in meinem ersten Beitrag zu dieser Serie bereits belegt.

Der Genderfeminismus bietet jedoch die perfekte theoretische Grundlage, um Privilegien zu fordern und Lobbyarbeit zu rechtfertigen. Vermutlich deshalb hält er sich noch. Denn eigentlich ist die Genderlehre, die eine bedeutende Grundlage des Genderfeminismus darstellt, immer mehr von neueren Erkenntnissen überholt. Und das gesellschaftliche Klima, natürlich nicht das Klime in der veröffentlichten Meinung, sieht ein ignorieren von Unterschieden eigentlich immer kritischer. Nur in unserer politmedialen Elite ist das noch nicht ganz angekommen.

„Die Frauenbewegung ist der Beweis, dass nichts so tot und leer ist wie eine Idee, die von der Zeit überholt wurde.“ schreibt der (linke) Historiker Stefan Sasse in einem lesenswerten Beitrag beim Oeffinger Freidenker („Mal was Grundsätzliches… zum Feminismus“; höchste Leseempfehlung). Er führt darin auch aus, und zwar in einer überzeugenden Art und Weise, bei der es sich nicht um klassenkämpferische Rhetorik handelt, wie man vielleicht angesichts eines linken Historikers meinen könnte, wie sehr der Feminismus, insbesondere auch mit seiner Forderung nach einer Frauenquote, eine Klassenveranstaltung für ein überschaubares Klientel ist. Wie der von Feministen betriebene Lobbyismus nur einer ganz kleinen Klientel zu gute kommt, während er anderen im besten Falle nichts nützt und im schlimmsten Falle schadet, ja eigentlich sogar allen anderen unter dem Strich schadet, und zwar auch innerhalb der akademischen Schicht, werde ich in meinen nächsten Beiträgen zu dieser Reihe ergänzen.

Doch tot ist der Genderfeminismus ganz bestimmt nicht. Und zwar gerade weil er auch einem Kampf um staatliche Privilegien dient. Und wenn der Genderfeminismus als solcher seinen Zenit überschritten hat, dann tritt an seine Stelle halt ein Post-Gender-Lobbyfeminismus, der biologische Faktoren anerkennt – und dann gerade hieraus Lobbyforderungen aus Kosten anderer ableitet, in dem prestigeträchtige oder einkommensstarke Berufe, in denen Männer stärker vertreten sind, in der Diskussion zu reinen Futtertrögen der Macht herab qualifiziert werden, die man aus Gründen der Gerechtigkeit doch bitte teilen solle. Der Kampf um gesetzliche Privilegien gerät nie aus der Mode. Das passt immer in die Zeit.

Huch, habe ich mir jetzt gedacht, „hey, sex sells“? Damit kann ich doch bestimmt meine Klickzahlen erhöhen!? Geben wir dem ganzen noch einen „dokumentarischen“ Anstrich, um das ganze als seriös zu verkaufen, aber eigentlich wissen wir doch alle, welche Gehirnareale und Triebe es ansprechen soll, oder? Ich meine, eine niedrige zweistellige Anzahl an Besuchern, dass lässt sich doch bestimmt steigern?

Wer jetzt an Geschlechtsverkehr gedacht hat, der liegt falsch. Obwohl ich mich natürlich freue, wenn jetzt jemand, der ohne diese reißerische Überschrift diesen Artikel nie aufgerufen hätte, hier bei mir gelandet ist, denn es geht durchaus um ein interessantes Thema, nämlich um sex. Es geht auch etwas um gender. Kurz, es geht um das biologische Geschlecht und welche Auswirkungen und kausale Zusammenhänge mit Verhaltensweise, Charaktereigenschaften und Fähigkeiten bestehen.

Eigentlich sollte dieser Artikel den Titel „Feminismus von Heute: Erkenntnisse zum biologischen Geschlecht und zur gesellschaftlichen Erwartungshaltung“ tragen, aber der jetzige Artikelname lockt doch viel mehr, oder etwa nicht? Außerdem ist er ein Wortspiel, das mit falschen Assoziationen, Alltags- und Fachsprache spielt und Leute erst in die irre führt. Da war der Reiz einfach zu groß und da bin ich schwach geworden…

Der Titel dieses Artikels spielt auf eine BBC-Dokumentation gleichen Namens an. Nach weiteren Hintergrundinformationen zu googeln könnte sich lohnen, zum Beispiel mit

„the secret of sex“ bbc documentary

oder ähnlichen Suchbegriffen.

Auch wenn der Titel dem unbedarften, nicht gendermäßig und feministisch geschulten Zuschauer, ebenso wie die ersten Minuten der Dokumentation etwas anderes suggerieren, geht es hierbei nicht um Geschlechtsverkehr, sondern nur ums Geschlecht. In erster Linie wird eine junge Frau begleitet, die sich schon sehr früh als im falschen Körper gefangen vor kam und die sich deshalb, von der Kamera begleitet, einer 6-monatigen Hormonbehandlung unterzieht. Vor der ersten Testosteronspritze wurden mehrere Tests durchgeführt, die körperliche wie auch geistige Aufgaben umfassten. Zumindest eine der Aufgaben wurde während eines Gehirnscans durchgeführt und die dabei aktiven Hirnareale gemessen. Nach 6 Monaten hat man diese Test wiederholt, auch den Hirnscan, bei der gleichen Aufgabe wie schon 6 Monate zuvor.

Die Ergebnisse waren frappierend: Nach der Hormonbehandlung hatten sich nicht nur ihre körperliche Leistungsfähigkeit verbessert und ihre Gesichtszüge verändert, sondern auch die kognitiven Leistungen haben sich in den verschiedenen Aufgaben dem Erwartungswert für Männer angenähert, im guten wie im schlechten. Bei Aufgaben, in denen Männer im Durchschnitt etwas besser abschnitten, haben sich die Leistungen verbessert, in Aufgaben in denen Männer im Durchschnitt schlechter als Frauen abschneiden haben sich die Leistungen verschlechtert.

Noch interessanter ist dabei der Gehirnscan. Vor der Therapie waren die Gehirnareale aktiviert, deren Tätigkeit man bei einer Frau erwartet hatte. Nach der 6-monatigen Testosteronbehandlung waren, bei der gleichen Aufgabe, bei der selben Person, plötzlich die Gehirnareale aktiv, die bei einem typisch männlichen Gehirn zuständig sind. Ein weibliches Gehirn ist scheinbar zu einem männlichen Gehirn geworden.

Eine wichtige Schlussfolgerung aus solchen Ergebnissen ist, dass sich der Wirkungsmechanismus, der zu den unterschiedlichen Durchschnittsergebnissen zwischen Männern und Frauen führt, und zwar sowohl bei körperlichen wie auch geistigen Aufgaben, immer stärker heraus schält: Hormone. Und diese korrelieren natürlich mit der genetischen Veranlagung, durch welche die Hormonkonzentrationen kausal mit bestimmt wird. Dies gilt insbesondere natürlich für die Sexualhormone.

In dem Zusammenhang gibt es auch entsprechende Erkenntnisse bezüglich der Spielzeugwahl von Kindern. Deren Entscheidungen korrelieren nämlich, wie in der erwähnten BBC-Dokumentation auch angesprochen wird, mit der Hormonkonzentration. Mädchen die einen für ihr Geschlecht überdurchschnittlichen Testostertonkonzentration haben, wählten eher Spielzeugautos und „typisch jungenhafte“ Spielsachen aus als andere Mädchen und umgekehrt Jungen mit einer für ihr Geschlecht unterdurchschnittlichen Testostertonkonzentration (im Verhältnis zum Östrogenspiegel) wichen häufiger von der „jungenhaften Spielzeugwahl“ ab.

Dies ist aus jüngeren Untersuchungen bekannt und floss in diese sehr informative BBC-Dokumentation ein. Es sind Erkenntnisse, die auf einen stärkeren Einfluss des biologischen Geschlechtes auf das Verhalten hindeuten, als vom sogenannten „gender mainstreaming“ angenommen, denn natürlich hängt der Hormonhaushalt kausal mit den genetischen Anlagen zusammen und wird nicht (nur) durch die Umgebung bestimmt.

Doch wie konnten sich die Annahmen des „gender mainstreaming“, wonach fast alle Geschlechterunterschiede (außerhalb der sehr eng definierten Fortpflanzungprozedur von der Zeugung bis zum Ende der Stillzeit) gesellschaftlich konstruiert seien, eigentlich durchsetzen, wenn sie doch bei näherem Hinblicken weder aus gesellschaftlicher und persönlicher Erfahrung und Wahrnehmung heraus intuitiv, noch angesichts der evolutionären Entwicklung der Menschheit naheliegend sind?

Nun, es passt natürlich zum Wunsch vieler Intellektueller die Gesellschaft nach ihren Wünschen formen zu können, ohne dabei auf so etwas wie eine menschliche Natur Rücksicht nehmen zu müssen. Doch es konnte vor allem geschehen, da es tatsächlich Ergebnisse (insbesondere aus der Vorurteilsforschung) gibt, die durchaus auch die Auswirkungen gesellschaftlicher Erwartungshaltung auf die Leistung einer Person belegen. Hierüber erfährt man auch was im deutschen Fernsehen, weshalb ich hierfür auf die Folge „Mädchen und Mathematik“ aus der Reihe „Geist und Gehirn“ auf BR-Alpha verweise:

http://www.br.de/fernsehen/br-alpha/sendungen/geist-und-gehirn/geist-und-gehirn-manfred-spitzer-gehirnforschung294.html

Es wurde, wie in der verlinkten Sendung schon wunderbar aufbereitet und verdeutlicht wird, ein Einfluss des Selbstbildes und der Erwartungshaltung auf die Leistungen in einem Mathematiktest nachgewiesen. Das an sich ist jetzt nicht einmal so verwunderlich. Bei diesen Assoziationen, die in den jungen, weiblichen Probanden ausgelöst wurden, handelte es sich jedoch um gesellschaftliche Geschlechterbilder:

In einer Gruppe (G – Genetik) wurde den Versuchsteilnehmerinnen ein Text vorgesetzt, in dem es um die (laut genanntem Text) natürlich bedingten, schlechteren Fähigkeiten von Mädchen und Frauen in Mathematik ging. Dies sei genetisch bedingt und hierdurch seien Männer im Schnitt rund 5% besser.

In einer anderen Gruppe (KU- Keine Unterschiede) wurde den Versuchsteilnehmerinnen eine Argumentation vorgelegt, nach der es keine natürlichen oder sonstigen Geschlechtsunterschiede gebe und das Potential sei, auch statistisch, bei Männern wie auch Frauen gleich.

Einer dritten Gruppe (K – Kunst) wurde eine kurze Abhandlung über die Rolle der Frau in der Kunst vorgelegt.

Eine vierte Gruppe (E – Erfahrung) erhielt wie die erste Gruppe die Behauptung vorgesetzt Männer seien rund 5% besser, dies liege jedoch an einer stärkeren Förderung und Forderung von Jungen im Grundschulalter.

Über diese Texte sollten die jungen Studentinnen jeweils einen kurzen Text verfassen, es wurde ihnen dabei gesagt es handele sich um einen Deutschtest. Darauf folgte ein Mathematiktest.

Die Ergebnisse waren, man kann es sich eigentlich schon denken, eindeutig: Die Gruppen KU und E lagen ungefähr gleich auf und schnitten deutlich besser ab als die Gruppen K und G. Ja, auch bei der eigentlich total mathematikfernen Behandlung der Bedeutung des Weiblichen in der Kunst gab es deutliche (!), negative Auswirkungen auf die Leistungen im Mathematiktest im Vergleich zu KU und E, nur die Gruppe G war noch etwas schlechter.

Wenn also jemand bestärkt wird etwas zu können, dann schneidet er in einem darauf folgenden Test besser ab, als wenn dies nicht geschieht. Soweit überhaupt nicht überraschend.

„Eine sehr schöne Studie, die das wirklich ganz klar gezeigt hat“, meinte dazu Professor Manfred Spitzer in seiner Sendung und es wird im Kontext leider nicht ganz klar, auf auf was er sich genau bezieht. Darauf, wie negative Gedanken die eigene Leistungen dämpfen, während positive Bestärkungen die eigenen Fähigkeiten zur Geltung kommen lassen und beflügeln können? Oder, dass alle statistischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern nur auf solche gesellschaftlichen Vorstellungen zurückzuführen seien? Ich gehe mal von ersterem aus, was keine besonders verwunderliche Erkenntnis seien dürfte, sondern eher allgemeine Erwartung. Doch über eventuell weitergehende, nicht nur gesellschaftlich ausgelöste Geschlechterunterschiede sagt dies er einmal nichts aus. Denn in Bezug auf Mathematik gibt es zwar tatsächlich kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern bezüglich der durchschnittlichen Leistung. Bezüglich der Verteilung unterscheiden sie sich aber natürlich schon, denn die Varianz (also der Durchschnitt der Abstandsquadrate vom Durchschnitt) ist bei Männern größer als bei Frauen, letztere neigen also mehr zum Durchschnitt. Ein Fakt, der die höhere Männerquote unter Mathematikprofessoren durchaus mit erklären kann, nicht nur in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät, denn in anderen Bereichen zeigen sich ja ähnliche Varianzunterschiede, immer mit der selben Tendenz: Frauen neigen mehr zum Durchschnitt als Männer und zwar selbst in Bereichen in denen Frauen im Durchschnitt besser sind als Männer. Es gibt also bei den Männern mehr Nulpen, aber auch mehr Überflieger, die dann z.B. Professor werden.

Auch gibt es, wie weiter oben bereits ausgeführt, statistisch Verhaltensunterschiede, die sich vermutlich auf den Einfluss von Hormonen zurückführen lassen, und Hormonkonzentrationen hängen statistisch-kausal mit dem genetischen Geschlecht zusammen. Das Testosteron zum Beispiel einen Einfluss auf die Bereitschaft hat, sich in einen Bereich mit hohem Konkurrenzdruck zu begeben (wie einer Manager-Karriere), erscheint mit auch keine so abwegige Annahme. Zumal dies, wie auch die Neigung der Frauen zum Durchschnitt, durchaus evolutionäre Vorteile haben könnte. Die im einzelnen entbehrlichen Männchen können für ein paar Experimente, Wagnissen und im (blutigen) Konkurrenzkampf ruhig auch im Einzelfall häufiger verheizt werden (aber „wer wagt gewinnt“, wenn er ins schwarze getroffen hat), während eine Frau nur eine sehr beschränkte Anzahl an Kindern bekommen kann und jede einzelne daher für den Arterhalt Gold wert ist („keine Experimente!“ als sich, statistisch niederschlagende, Leitlinie). Das ist natürlich grob vereinfachend und es gibt auch andere Faktoren. Auch bei Frauen ist eine angemessene Variation zwischen den Individuen von Vorteil, welche ja auch vorkommt, bloß in geringerem Ausmaß.

Aber kann die Betonung dieser natürlichen, biologischen Unterschiede (als eindeutig auch genetisch mit bedingt) diese nicht auch gesellschaftlich verstärken? Natürlich, dies wurde ja gezeigt. Sollte man also nicht lieber, der Gerechtigkeit der Individuen gegenüber, über solche statistischen Unterschiede schweigen, um sie nicht überflüssig zu verschärfen? Im Bereich der wissenschaftlichen Forschung, nein. Eine Forschung, welche nur die gewünschten Fakten wahrnimmt, wäre nicht mehr wissenschaftlich. Und auch gesellschaftlich ist das Verschweigen von Informationen kein guter Rat. Allerdings wäre die Notwendigkeit die genannten Erkenntnisse zu betonen ja weitaus geringer, wenn man nicht ständig die Behauptungen der Gender-Anhänger widerlegen müsste. Und das muss man, denn man kann nach allen derzeitigen Erkenntnissen falsche Behauptungen, die jedoch als wissenschaftlich ausgegeben werden, nicht einfach unwidersprochen im Raum stehen lassen.

Kurz: Ohne die der Gendertheorie verschriebene Strömung des Feminismus wäre die bewusste Betonung und Erinnerung an diese statistischen, biologische Unterschiede (mit ihren eventuellen Auswirkungen auf die eigenen Erwartungshaltung) weitaus seltener notwendig.

Ursprünglich hatte ich einen Artikel über (genauer: eine negative Kritik am) Feminismus vor. Bei näherer Betrachtung erschien mir das Thema aber zu vielschichtig und auch zu groß für nur einen Artikel, daher wird wohl eine (vorerst dreiteilige) Serie daraus: „Feminismus von Heute“.

Der von mir Ursprünglich geplante Artikel beschäftigt sich dafür nur mit einem Teilaspekt, der dafür heute sehr präsent ist, und der mir aktuell auch am problematischsten am heutigen Feminismus erscheint: Der Forderung nach einer Frauenquote.

Davor werde ich jedoch ein wenig was abstraktes und allgemeines über den heutigen Feminismus loswerden, genauer gesagt eine Unterart von ihm.

Zu aller erst werde ich jedoch einige Hintergrundinformationen zusammentragen. Zuerst nur eine grobe und unvollständige Übersicht einiger interessanter neuer Erkenntnisse und Hintergrundanalysen deren Lektüre ich stark empfehle, da ich mich darauf immer wieder beziehen werde. Ich versuche jedoch das wichtigste auch hier mit eigenen Worten noch einmal wieder zu geben.

Die Reihe werde ich, sobald die entsprechenden Artikel veröffentlicht wurden, hier nachstehend verlinken.

Bis dahin verweise ich zur Einführung auf eine wunderbare Abhandlung über die geschichtliche Entwicklung und Bedeutung des Feminismus im Geschichtsblog: Der Gedanke der Frauenemanzipation in der Geschichte. Das Lesen sei für die notwendigen Hintergrundinformationen für einen Teil meiner folgenden Beiträge zu dem Thema stark empfohlen.

Aus der Reihe „Feminismus von Heute„:
The Secret of Sex oder „Feminismus von Heute: Erkenntnisse zum biologischen Geschlecht und zur gesellschaftlichen Erwartungshaltung“

Feminismus von Heute: Wie Gendertheorie und Feminismus zusammen fanden – Genderfeminismus

Feminismus von Heute: Dialektisch

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