Beim Stöbern auf Stefan Niggemeiers Blog bin ich auf zwei interessante Artikel über die Tendenziösität der Medien gestoßen, die – man halte sich fest – eine tendenziösität zugunsten einer Partei feststellen. Um welche Partei handelt es sich?

Lesen Sie selbst:


Einen Lanz für die FDP brechen

Die FDP-Wahlhelfer von der »Bild«-Zeitung

Nun kann ich im Großen und Ganzen keinen Medienbias zugunsten der FDP feststellen. Im Gegenteil, wer mich kennt weiß, das ich eher einen Medienbias zu Ungusten der FDP zu erkennen meine. Wer jetzt allerdings glaubt, dies enttarne mich als FDP-Fanboy mit „gelber Brille“, der nicht zur Selbstkritik fähig wäre und keinen Makel an seiner Lieblingspartei sehen möchte, der kennt mich doch nicht, sondern hat das nur auf Grund einige Wortfetzen und Kommentare geglaubt. Denn zum einen bin ich kein Fanboy und „Lieblingspartei“ ist eher eine relative Aussage und zum anderen bin ich aus der FDP ausgetreten und man kann sich denken, dass dies an einer Unzufriedenheit mit der Partei lag, die ich auf Parteiveranstaltungen kennen gelernt habe, was nicht gerade dafür spricht, ich könnte die FDP nicht kritisieren. Da ich nicht der Typ bin, der einfach nur sein Fähnchen nach dem Wind richtet und nur wegen des schlechten Rufes, der schlechten Medienberichterstattung oder dem Hass und der Häme seitens Dritter aus einem Verein austritt, muss ich wohl deutliche Kritikpunkte an der Partei erkannt haben, die mir eine weitere Mietgliedschaft nicht attraktiv oder gar untragbar erscheinen liesen.

Das alles ist freilich kein Beleg dafür, dass ich einen „objektiven Blick“ auf die Sache hätte. Im Gegenteil schien ich ja eine gewisse Sympthie für die FDP gehabt zu haben, sonst wäre ich nie eingetreten.

Fehler der Partei, auch im Umgang mit den Medien, vor allem aber auch inhaltlich, wurden bereits in diesem wunderbaren Artikel auf achgut aufgeführt. Ich muss es daher hier nicht wiederholen.

In der Regel ist das daher der Punkt, an dem einige meinen diese unterschiedlichen subjektive Wahrnehmung deute auf einen stark realitätsverzerrenden Blick bei allen politisch interessierten Menschen hin, die einen Medienbias zu erkennen glauben. Und in gewissem Rahmen trifft das ja auch sicherlich zu, denn wir sind alles nur Menschen und keine Logikmaschienen, haben alle Schwächen und Fehler und sind alle für die Hostile Media Perception anfällig.

Doch ein entscheidender Unterschied besteht zwischen Niggemeiers und meiner Wahrnehmung:

Herr Niggemeier zieht willkürlich ausgewählte Statistiken von einzelnen, selektiv ausgewählten Sendungen oder Pressepuplikationen, im letzten Fall sogar nur einer einzelnen Kategorie in der von ihm ausgewählten Zeitung heran. Einer vollkommen unbedeutenden Kategorie: Wer interessiert sich dafür, wen die BILDzeitung zum „Gewinner des Tages“ kührt?

Relevant für die langristige Prägung der medialen Wahrnehmung der Welt ist aber das in den Großteil der täglichen medialen Beschallung fliesende Weltbild der Journalisten. Die unterschwellig in Berichterstattung zu scheinbar ganz anderen Themen, eventuell in einen Nebensatz, einfliesenden Behauptungen, die somit unter dem kritischen Radar des Medienkonsumenten hindurchfliegen, sind sogar viel tückischer.

Eine große Rolle spielt hier der Hörrundfunk, der von vielen Menschen als Nebenbeimedium konsumiert wird, was auch linke und vor allem grüne Multiplikatoren erkannt haben. Deswegen wird auch im Namen der „notwendigen Unabhängigkeit“ der Gesetzgeber genutzt, um (alles im Namen der Rundfunkfreiheit!) gesetzlich vorzuschreiben, wer das kontrollierende, wachsame Auge auf die Rundfunkredaktionen haben darf und muss, um „neutrale“ Berichterstattung zu gewährleisten. Überraschung: Die Mehrheit in den Gremien, sowohl des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, als auch den (zumindest in NRW) verfplichtenden Beiräten bei den privaten Rundfunkanstallten mit Veto-Recht gegen eine inhaltliche Neuausrichtung des Programmes und den Intendanten, haben grün und rot bewegte Organisationen.

Im übrigen muss man seinen Blick aufs große Ganze werfen und nicht nur einem einzelnen, unbedeutenden Kästchen in der Bildzeitung, wegen dem niemand sein Weltbild ändert, sofern der Kasten überhaupt wahrgenommen wird. Und da offenbart sicht nun einmal ein deutlicher Überhang an Grünen-Anhängern unter den Journalisten, unter Politik-Journalisten mit Parteipräferenz je nach Umfrage bis zu 40% alleine für die Grünen, was im Vergleich zur Gesamtbevölkerung stark überproportional ist. Unter Journalistenschülern sind es sogar unter Einbeziehung der nach eigenen Angaben Parteineigungslosen knapp 40%! Zusammen mit den SPD-Anhängern geht es dann in repräsentativen Umfragen bis zur 2/3-Mehrheit für Grün-Rot – mit den Grünen vor der SPD!

Und das ist relevant, nicht ob irgend ein kleines Kästchen in der Bild-Zeitung ausgewogen ist.

Nun wird der Einwand kommen und er kam auf solche Ausführungen schon einmal in Zettels kleinem Zimmer, dieser grünrote Überhang unter Journalisten sei ja kein Beleg für einen grünen Bias. Das stimmt. Aber zu glauben diese in repräsentativen Umfragen zugegebene grünrote Präferenz der erdrückenden Mehrheit der Medianschaffenden lasse einen allgemeinen, dominierenden „neoliberalen Bias“ zu, das erscheint mir dann doch besonders Begründungsbedürftig.

Und mal Hand aufs Herz: Journalisten sind auch nur Menschen. Selbst im Bestreben nach Objektivität und selbstkritischer Zurückhaltung hätte es seinen Einfluss. Und denkt bei „selbstkritischer Zurückhaltung“ jetzt irgend jemandem ernsthaft ausgerechnet an die sendungsbewussten grünen Snobs?