Nun, wir mir jetzt durch einen Kommentar bestätigt wurde, ist die Moderationsschleife jetzt Absicht. Grund: Ich habe mich über einen Nazivergleich beschwert.

Mein erster Kommentar unter dem Artikel war folgender:

> Diese Leute begreifen den zweiten Zusatzartikel zur US-Verfassung tatsächlich als das Recht – nein, die Verpflichtung! – den demokratischen Willen einer Mehrheit (durch den wird ja die Regierung gebildet) mit Waffengewalt außer Kraft zu setzen.

Nein. Es ist eine Sicherung für den Fall, dass die Demokratie versagt.

Wie in der Weimarer Republik.

Alles andere ist Polemik und – Sie ahnen den Vorwurf vielleicht bereits – ein Strohmann.

Gemeint war natürlich der Fall, dass sich die Demokratie in eine Diktatur verwandelt. Es war ein Hinweis auf ein Beispiel, in dem dies geschah. Darauf hin brachte jemand folgenden Nazivergleich:

Das technische Genörgel kommt mir doch irgendwie bekannt vor^^ Moment, ist locker 1000 Jahre her – ah ja:

„Der Grund jedoch zu diesem schmählichen Versagen des Staates lag nicht so sehr im Nichterkennen der Gefahr, als vielmehr in einer zum Himmel schreienden Feigheit und der daraus geborenen Halbheit aller Entschlüsse und Maßnahmen. Es hatte niemand den Mut, durchgreifende Radikalmittel anzuwenden…“

Der sicherte dann ja auch grundlegend.

Das Zitat ist aus Hitlers „Mein Kampf“. Meine Worte bezüglich der Verhinderung einer Diktatur wurden mir im Mund herum gedreht und als das Gegenteil ausgelegt. Darüber habe ich mich auch beschwert:

Die Demokratie hatte versagt, da die Staatsorgane, trotz vorheriger Gewaltenteilung, sich widerstandslos in den Nazistaat transformieren liesen.

Und Sie kommen jetzt mit einem so dermaßen dämlichen Nazivergleich…

Es geht um die Abwendung einer Diktatur, nicht ihrer Etablierung!

Goodwins Law lässt Grüßen – man hat hier jetzt wohl alle Hemmungen bezüglich persönlicher Angriffe verloren…

Meine Aussagen – offensichtlich verdrehend – mit Hitlers menschenverachtenden Gedankengut in Verbindung zu bringen ist schon heftig – aber schuld bin natürlich ich. Weshalb ich auch gesperrt wurde, wie mir Herr Schönstein mitteilte:

Ergibt das noch einen Sinn, was Sie hier schreiben? Der “Nazivergleich” = Hinweis auf Weimarer Republik stammte von Ihnen. Das allein ist, in dem meisten Blogs, ein Anlass für den Platzverweis. Und er ist, wie Sie wohl selbst wissen müssten, schlichtweg irrsinnig. Falls Sie wissen wollen, ob man Waffen braucht, um ein als Unrecht erkanntes System* zu überwinden, schauen sie sich doch mal die Bilder von den Leipziger Montagsdemonstrationen (und alles was dann folgte) an.

Äh, moment: Der Hinweis auf die Umwandlung einer Demokratie in eine Diktatur ist ein Nazivergleich? Nein, die Verdrehung meiner Worte um 180°  zusammen mit der Gleichsetzung mit einem Hitlerlzitat ja wohl eher.

Die Leipziger Montagsdemonstrationen waren – so befürchte ich -nur möglich, da Gobartschow begann einen Kuschelkurs zu fahren. Ebenso waren friedliche Revolutionen gegen das zivilisierte Großbritannien im 20. Jahrhundert möglich. Einige Jahrhunderte früher war das bekanntlich noch nicht so.

Wie ein Aufstand ohne Waffen gegen ein williges, durchsetzungsstarkes Regime abläuft, sah man in China, aber auch in Südafrika – bis das Arparthheidsregime einen friedenswilligen Mann an der Spitze hatte. Dies war keine geschichtliche Notwendigkeit! Es war ein Glücksfall.

Die Reaktion ist schade. Ich hatte die Antwort erst nicht bemerkt, weshalb ich folgenden, wie ich finde recht sachlichen Post gesendet habe:

Wenn das “Recht des Volkes” ein Kollektivrecht des Staates meint, warum wurde es dann nicht so genannt? Warum die Formulierung “Recht des Volkes”?

Im 10 Verfassungszusatz ist von der Befugnissen der Staaten die Rede – und des Volkes. Getrennt durch ein Komma.

Meint Staaten und Volk hier das selbe?

“Right of the persons” klingt sprachlich nicht elegant, “rights of the individual” heute schon eher, war damals aber keine bekannte Formulierung.

Das Volk ist eine Bezeichnung im Kontrast zur Regierung. Wenn es nicht die Ansammlung von Individuen bezeichnet, sondern das Volk als Kollektiv, dann braucht es zur Ausübung einer kollektiven Organisation. Das ist die Regierung. Ein “Grundrecht der Volkes”, dass stellvertretend durch die Regierung ausgeübt wird? Das wäre eine Regierungskompetenz, kein Recht. Niemand käme auf die Idee, eine Regierungskompetenz mit der Formulierung als “ein Recht des Volkes” in eine bill of rights der Individualrechte aufzunehmen, außer als Euphemismus. Das würde aber eher zur Verfassung einer Diktatur passen. Und wenn es nur um die Frage ging, auf welcher Ebene die Regierung die Kompetenz haben soll, warum wurde dann nicht die Bezeichnung “states” anstelle von “people” verwendet? Wäre doch viel naheliegender.

Insbesondere stellt sich auch die Frage was im 10. Verfassungszusatz mit den Befugnissen des Volkes gemeint ist:

> The powers not delegated to the United States by the Constitution, nor prohibited by it to the States, are reserved to the States respectively, or to the people.

“The powers […] are reserved to the States […] or to the people.”

Wenn people hier das Volk als Kollektiv, anstatt die Individuen, die das Volk bilden, bezeichnet, welche Organisation nimmt dann (als kollektive Organisation dieses Volkes) seine Rechte war? Die Staaten? Warum werden deren Befugnisse dann extra erwähnt? Dann wäre die Trennung in Befugnisse der Staaten und Befugnisse des Volkes rein formell. Ist das wirklich gemeint?

Was denken Sie? Mich würde da ihre Meinung zu wirklich interessieren.

Ich glaube, die Interpretation von “people” als Bezeichnung für das Kollektiv “Volk”, anstatt den Individuen, die das Volk bilden, kann gerade auch bei einem deutschen Publikum auf Grund einer schlechten Übersetzung eine Glaubwürdigkeit erlangen, die so eigentlich nicht angemessen ist.

Meistens übersetzt man people mit Volk. Das ist im Deutschen eindeutig ein kollektivistischer Begriff: Das Volk, das sich aus allen Bürgern zusammen setzt, die dann aber nicht mehr als Individuen handeln, sondern als Einheit und nur als Einheit damit angesprochen werden.

Diese Bedeutung kann es im Englischen auch haben. Muss es aber nicht, die Verwendung an Stellen, in denen man im Deutschen eher “Personen” oder “die Leute” (aber in einem nicht abwertenden Sinne) sagen würde ist durchaus gebräuchlich. Gemeint sind damit alle Individuen, die das Volk bilden, auch und vor allem in ihrer Eigenschaft als Einzelpersonen.

Besser verständlich gemacht: Volk meint den “Verein Volk”, people kann auch die “Mitglieder des Vereins Volk” meinen. Dieser Verein Volk handelt über seiner Organe – die Regierung. Man könnte diesen Verein auch als die Regierung bezeichnen, Volk/people als die Menge seiner Mitglieder. Dies gilt zumindest solange die Regierung verfassungskonform und demokratisch ist. Dies kann sich natürlich ändern.

Wenn von rights/powers ot the people in der US-Verfassung die Rede ist, sind immer die Bürger in ihrer Eigenschaft als Individuen gemeint.

Dies wird am 10. Verfassungszusatz deutlich, in dem die Befugnisse der Staat ja auch nochmal getrennt genannt werden. Warum? Warum wenn es doch das selbe ist? Wenn “Rechte/Befugnisse des Volkes” nur kollektiv und damit nur über den Staat wahrnehmbare Rechte bezeichnet, diese nicht gleich als “Befugnisse des Staates” bezeichnen?

Warum zwischen “Rechten des Vereins” und “Rechte der Mitglieder des Vereins die nur Kollektiv und damit durch die Organe des Vereins ausgeübt werden können” unterscheiden?

Eine ganz ehrliche Frage: Glauben Sie wirklich, dass dies so gemeint war und wenn ja warum?

Jetzt mal ganz unabhängig davon, ob sie einem solchen Individualrecht zustimmen würden oder es am liebsten aus der Verfassung streichen lassen wollen – das ist ihr gutes Recht (Meinungsfreiheit), die USA haben kein Pendant zum Art. 18 GG.

Er wurde, wie schon angedeutet, nicht freigegeben (und zwar eindeutig absichtlich, wie oben angekündigt:

Bildschirmfoto vom 2013-01-10 23:59:10

Bildschirmfoto vom 2013-01-10 23:59:51

Stattdessen kam noch folgender Kommentar von Bloody Mary:

” man hat hier jetzt wohl alle Hemmungen bezüglich persönlicher Angriffe verloren.”

Genau. Alle. Außer Ihnen. Dass Ihre Kommentare als Gerotze beim Leser ankommen, muss wohl an dessen deformierten Deutschohren liegen.

Lieber Sekt als Selter.

Jürgen, danke für Deine Mühe, so einen detailreichen, meinen Horizont beträchtlich erweiternden Artikel auf die Beine gestellt zu haben. Das Schreiben von Artikeln dieser Qualität dürfte Dir verhältnismäßig leicht fallen, das unvermeidliche Ertragen von Kommentaren gewisser Qualität danach vermutlich wesentlich weniger.

Gegenlaufende Meinungen haben wirklich was Belebendes, aber nicht diese mißgelaunten Rotzlöffel-Stunts. Lass Dich nicht ärgern, und bitte vor allem nicht davon abhalten, weiter so kundig für das einzutreten, was Dir am Herzen liegt.

Ich habe alle meine Beiträge, die freigeschaltet wurden und auch den danach noch von mir gesendeten Post hier eingestellt. Ich habe nach dem oben zitierten noch zwei kleine Antworten auf andere Kommentare gestellt, die aber schon nicht mehr freigegeben wurden, aber auch nicht sehr lang waren. Sie tun hier nichts weiter zu Sache, denn mein angeblicher „mißgelaunter Rotzlöffelstil“, der schon zur Sperrung führte, kann sich ja jeder oben durchlesen – ich frage mich bloß wo er sein soll.

Das finde ich doch schon etwas traurig: mit einem Nazivergleich bearbeitet zu werden – wenn auch nur unter Pseudonym und zum Glück nicht Realnamen – und dann dies angelastet zu bekommen und den Verdrehungen nicht mehr an Ort und Stelle erwiedern zu können. Ausgerechnet nach dem der Nazivergleich gegen mich, während er sich davor seiner liberale Kommentarpolitik rühmte.

Klar hat er das Recht dazu. Er hat sich aber einen interesannten Zeitpunkt ausgewählt.

Das ist mal eine interessante Umkehrung: Nicht der Nazi-Vergleich wird jemandem angelastet, sondern in erhalten zu haben… Und dann erhält man dafür auch noch den Vorwurf.

Daher werde ich auf meine sachliche Nachfrage zur Interpretation der „Rechte des Volkes“ wohl keine Antwort bekommen. Aber bezeichnend, das ausgerechnet meine sachlichen Ausführungen zu diesem Thema nicht zugelassen wurden. Es sagt etwas über emotionalisierten Aktivismus aus.

Nachtrag: Hier noch kurz, nur der Vollständigkeit halber, die zwei weiteren Kommentare, die ich erwähnte. Nicht das mir jemand selektive Darstellung und vorenthalten wichtiger Informationen vorwerfen kann. Natürlich ist alles oben aus meiner Sicht dargestellt, aber weggelassen habe ich zur Diskussionshistorie von meiner Seite nun nichts:

Bildschirmfoto vom 2013-01-11 00:27:12

Bildschirmfoto vom 2013-01-11 00:20:58

Wobei ich sagen muss, das ich statt „versagen“ lieber „selbst abschaffen“ oder „zusammenbrechen“ hätte schreiben sollen. So war es natürlich eine Steilvorlage für gewollte „Missverständnisse“. Bezeichnend, dass ich ausgerechnet dies nicht am Ort des doch heftigen Vorwurfs klarstellen darf. Macht vieles einfacher…