Auf dem Blog abgedichtet.org habe ich unter dem Artikel Selektive Wahrnehmung eine interessante Diskussion mit einer Feministin, die wunderbar die Argumentationsmuster des heutigen Gender-Feminismus aufzeigt.

Sie sagt zwar, Sie definiert Frau nicht als das benachteiligte Geschlecht, ansonsten ist die Argumentation aber gleich und es ist auch die übliche Argumentation für die Öffentlichkeit. Die Zitate sind aus dem Kommentar unter folgender URL: http://abgedichtet.org/?p=1037#comment-880

Was nun die Benachteiligung betrifft, so behaupte ich, dass eine weibliche Sozialisation durchaus zu Benachteiligung in Wettbewerbssituationen führt und dass der Grund dafür, dass Frauen in Medizin-Einstufungstest schlechter abschneiden als Männer, durchaus dort zu suchen ist. Wenn du meinst, die Erziehung sei nicht der Grund dafür, was ist dann deiner Meinung nach der Grund? (Ernstgemeinte Frage) Falls du jetzt etwas antwortest wie: “Frauen sind halt einfach schlechter, ungeeigneter für das Medizin-Studium”, dann wiederholst du genau die Hypothese, die es jahrelang verhindert hat, dass Frauen überhaupt studieren durften.

Wenn statistische (!) Unterschiede biologische Ursachen haben, so hat dies nichts mit unzulässiger Pauschalisierung zu tun, wie hier suggeriert wird. Auch werden solche Ursachen nicht dadurch weniger zum Fakt, dass sie früher für unzulässige Generalisierung missbraucht wurden. Mal abgesehen davon, dass hier eine Haltung durchscheint, wonach Tatsachenbehauptungen nicht danach zu beurteilen sind, ob sie stimmen, sondern ob uns die (angeblichen) Implikationen passen.

Die Gender-Studies behaupten aber, Frauen seien nicht aufgrund ihrer Biologie, sondern aufgrund ihrer Erziehung ungeeignet, sich in Wettbewerbssituation ebenso durchzusetzen wie Männer. An der Erziehung kann man etwas ändern, also was ändern wir und wie, um ein Gleichgewicht herzustellen?

Und hier haben wir auch schon den Grund für die Unterstellung von oben: Wenn statistische Unterschiede biologische Ursachen haben, dann sind sie zum einen kein Beleg für Diskriminierung, zum anderen wird sich eine statistische Gleichverteilung („Gleichgewicht“) nur schwer und nur mit viel staatlichem Druck und unterschiedlichen Maßstäben erreichen lassen. Also muss man unterstellen, die Anerkennung solcher Ursachen müsste eine absoluter Gleichschaltung eines Geschlechtes zur Folge haben, rein statistische Unterschiede könnten nicht durch biologische Ursachen erklärt werden, da es dann alle Individuen betreffen müsste. Es gäbe quasi nur zwei Alternativen: Statistische Gleichverteilung sei ein erreichbarer Selbstzweck, wer dies nicht glaubt müsste unzulässigen Pauschalisierungen anhängen. Andere Sichtweisen dürfen nicht wahrgenommen werden. Diese könnten je eine nachvollziehbare, glaubwürdige und vor allem vernünftige Gegenposition zum Wahn um die absolute, statistische Gleichverteilung darstellen.

An diesem Punkt kann man Anfangen, darüber zu diskutieren, ob eine Quote sinnvoll ist oder nicht. Aber wenn man das Problem nicht erkennt, nämlich dass es eher eine Frage der Erziehung und weniger eine Frage der Biologie ist, dann kann man gar nicht sinnvoll über Lösungsmöglichkeiten nachdenken, nämlich weil uns unsere Biologie gegeben ist.

Hier wieder die Argumentation, biologische Ursachen hätten unerwünschte Implikationen, daher könne es nicht stimmen. Und nicht eine absolute, statistische Gleichverteilung zu haben wird wieder als selbstverständliches Problem angenommen. Man setzt dies vermutlich mit unzulässiger Pauschalisierung und Benachteiligung des Individuums gleich. Das dies nicht gleichzusetzen ist wird leider nicht wahrgenommen.

Also frage ich dich: Was verstehst du unter “gesellschaftliches Geschlecht”, was verstehst du unter “Benachteiligung des gesellschaftlichen Geschlechts”

Das müsste sie als bekennende Anhängerin der gender studies selber ja wissen. Ich finde es etwas unglaubwürdig, wenn sie hier jetzt öffentlich einen auf Ahnungslos macht. „Gesellschaftliches Geschlecht“ ist schließlich nicht anderes als die deutsche Bezeichnung für das englische Wort „gender“. Wenn ihr das jetzt peinlich ist, kann ich ihr auch nicht helfen.