In einem Kommentar unter diesem Artikel in der FAZ befindet sich folgende Aussage unter der Überschrift „Dialektisch“:

„Wohin wir gesellschaftlich wollen ist klar: Wir wollen eine ausgeglichenere Geschlechterverteilung. Naturlich wollen wir auch faehige Menschen in Fuehrungspositionen. Das wird sich ja wohl irgendwie erreichen lassen. Wenn Unternehmen glauben, der Weg zum Ziel ist ein Befoerderungsstop fuer maennliche Mitarbeiter, dann sollen sie mal machen, solange die Aktionaere mitspielen. Mir persoenlich faellt es leicht, es zu akzeptieren. Ich bin der einzige Mann in einer sechskoepfigen Familie. Ich bin auch der Hauptverdiener. Ja, ich buesse durch verbaute Karierrechancen wohl Einkommen ein, aber mit Mitte-Vierzig bin ich finanziell schon auf der sicheren Seite und meine Toechter werden ihren Weg schon gehen. Vielleicht muss man das alles dialektisch sehen? „

Zitat von Jurgen Conrad (fconrado)

Ich weiß nicht ob dieser Beitrag eine Satire auf feministische Argumentation sein soll, aber es könnte ohne Probleme so von einem redegewandten Feministen stammen.

Die Rhetorik und Argumente im einzelnen zerpflückt:

„Wohin wir gesellschaftlich wollen ist klar: Wir wollen eine ausgeglichenere Geschlechterverteilung.“

Äh, nein, das ist nicht klar. Die Mehrheit will sicherlich Chancengleichheit, bei gleicher Leistung und gleichen Ambitionen. Aber ob die Mehrheit tatsächlich eine statistische Gleichverteilung um jeden Preis haben will, insbesondere wenn der Preis die Bevorzugung von Frauen alleine aufgrund ihres Geschlechtes, Frauenquoten und ähnliche Privilegien sind oder aus staatlich unterstützter Umerziehung von Berufswünschen und Lebensplanungen besteht, kann zurecht bezweifelt werden. Warum sollte sich eine Mutter über die Benachteiligung ihrer Söhne nur Aufgrund des Geschlechtes begeistert zeigen?

„Naturlich wollen wir auch faehige Menschen in Fuehrungspositionen. Das wird sich ja wohl irgendwie erreichen lassen. „

Natürlich wollen wir fähige Menschen in Führungspositionen, was den sonst? Für die Bevorzugung auch weniger fähiger Kandidatinnen wird sich wohl kaum einer offen einsetzen. Sollte man meinen. Findet sich aber auch, denn dies sei ja dann ein Ausgleich für die Frauendiskriminierung von Vorgestern. Das dieser „Ausgleich“ in einer Benachteiligung von Männern ausgerechnet in der Generationen mündet, die am wenigsten für diese vorgestrige Diskriminierung kann, nämlich die aktuelle Generation an Schulabgängern und die ihr Nachfolgenden, interessiert nicht, denn der heutige Lobbyfeminismus ist eine kollektivistische Angelegenheit. Die Männer tragen eine Art Kollektivschuld. Was nicht mal für die eigentlich verantwortlichen Generationen so zu postulieren ist, denn Kollektivschuld gibt es nicht. Schuld liegt immer bei Individuen.

Am meisten können sich unter Männern daher offenbar diejenigen für gesetzliche und anderweitige Frauenquoten begeistern, deren Schäfchen im Trockenen sind. Und dies mach Herr Conrad auch im Rest seines Beitrages deutlich.

„Ja, ich buesse durch verbaute Karierrechancen wohl Einkommen ein, aber mit Mitte-Vierzig bin ich finanziell schon auf der sicheren Seite und meine Toechter werden ihren Weg schon gehen.„

Er schreibt in seinem Beitrag auch, dass alle anderen Familienmitglieder weiblich sind, genauer: er hat nur Töchter. Natürlich ist Herr Conrad für die Frauenquote. Selber abgesichert unterstützt er nun reine Klientelpolitik für die Verwandtschaft, genauer für den eigenen Nachwuchs. Auch dies zeigt eine Lebenslüge des Feminismus auf: Die Angehörigen eines Geschlechtes würden sich immer als eine Interessengemeinschaft wahrnehmen. Dies ist ein großer Irrtum, dem Feministinnen gerne aufsitzen und verbreiten. Das Beispiel der Mutter von Söhnen habe ich oben schon genannt. Aber auch Kritiker des Feminismus sollten diesen Denkfehler reflektieren, um ihm nicht selber auf zu sitzen: Es gibt auch Männer, in deren puren Eigeninteresse es ist, Frauen ungerechtfertigt zu bevorzugen. Männer sind nicht „natürliche Verbündete“ im Kritisieren des heutigen Lobbyfeminismus. Liberale oder wenigstens rational denkende Menschen sind es.