Huch, habe ich mir jetzt gedacht, „hey, sex sells“? Damit kann ich doch bestimmt meine Klickzahlen erhöhen!? Geben wir dem ganzen noch einen „dokumentarischen“ Anstrich, um das ganze als seriös zu verkaufen, aber eigentlich wissen wir doch alle, welche Gehirnareale und Triebe es ansprechen soll, oder? Ich meine, eine niedrige zweistellige Anzahl an Besuchern, dass lässt sich doch bestimmt steigern?

Wer jetzt an Geschlechtsverkehr gedacht hat, der liegt falsch. Obwohl ich mich natürlich freue, wenn jetzt jemand, der ohne diese reißerische Überschrift diesen Artikel nie aufgerufen hätte, hier bei mir gelandet ist, denn es geht durchaus um ein interessantes Thema, nämlich um sex. Es geht auch etwas um gender. Kurz, es geht um das biologische Geschlecht und welche Auswirkungen und kausale Zusammenhänge mit Verhaltensweise, Charaktereigenschaften und Fähigkeiten bestehen.

Eigentlich sollte dieser Artikel den Titel „Feminismus von Heute: Erkenntnisse zum biologischen Geschlecht und zur gesellschaftlichen Erwartungshaltung“ tragen, aber der jetzige Artikelname lockt doch viel mehr, oder etwa nicht? Außerdem ist er ein Wortspiel, das mit falschen Assoziationen, Alltags- und Fachsprache spielt und Leute erst in die irre führt. Da war der Reiz einfach zu groß und da bin ich schwach geworden…

Der Titel dieses Artikels spielt auf eine BBC-Dokumentation gleichen Namens an. Nach weiteren Hintergrundinformationen zu googeln könnte sich lohnen, zum Beispiel mit

„the secret of sex“ bbc documentary

oder ähnlichen Suchbegriffen.

Auch wenn der Titel dem unbedarften, nicht gendermäßig und feministisch geschulten Zuschauer, ebenso wie die ersten Minuten der Dokumentation etwas anderes suggerieren, geht es hierbei nicht um Geschlechtsverkehr, sondern nur ums Geschlecht. In erster Linie wird eine junge Frau begleitet, die sich schon sehr früh als im falschen Körper gefangen vor kam und die sich deshalb, von der Kamera begleitet, einer 6-monatigen Hormonbehandlung unterzieht. Vor der ersten Testosteronspritze wurden mehrere Tests durchgeführt, die körperliche wie auch geistige Aufgaben umfassten. Zumindest eine der Aufgaben wurde während eines Gehirnscans durchgeführt und die dabei aktiven Hirnareale gemessen. Nach 6 Monaten hat man diese Test wiederholt, auch den Hirnscan, bei der gleichen Aufgabe wie schon 6 Monate zuvor.

Die Ergebnisse waren frappierend: Nach der Hormonbehandlung hatten sich nicht nur ihre körperliche Leistungsfähigkeit verbessert und ihre Gesichtszüge verändert, sondern auch die kognitiven Leistungen haben sich in den verschiedenen Aufgaben dem Erwartungswert für Männer angenähert, im guten wie im schlechten. Bei Aufgaben, in denen Männer im Durchschnitt etwas besser abschnitten, haben sich die Leistungen verbessert, in Aufgaben in denen Männer im Durchschnitt schlechter als Frauen abschneiden haben sich die Leistungen verschlechtert.

Noch interessanter ist dabei der Gehirnscan. Vor der Therapie waren die Gehirnareale aktiviert, deren Tätigkeit man bei einer Frau erwartet hatte. Nach der 6-monatigen Testosteronbehandlung waren, bei der gleichen Aufgabe, bei der selben Person, plötzlich die Gehirnareale aktiv, die bei einem typisch männlichen Gehirn zuständig sind. Ein weibliches Gehirn ist scheinbar zu einem männlichen Gehirn geworden.

Eine wichtige Schlussfolgerung aus solchen Ergebnissen ist, dass sich der Wirkungsmechanismus, der zu den unterschiedlichen Durchschnittsergebnissen zwischen Männern und Frauen führt, und zwar sowohl bei körperlichen wie auch geistigen Aufgaben, immer stärker heraus schält: Hormone. Und diese korrelieren natürlich mit der genetischen Veranlagung, durch welche die Hormonkonzentrationen kausal mit bestimmt wird. Dies gilt insbesondere natürlich für die Sexualhormone.

In dem Zusammenhang gibt es auch entsprechende Erkenntnisse bezüglich der Spielzeugwahl von Kindern. Deren Entscheidungen korrelieren nämlich, wie in der erwähnten BBC-Dokumentation auch angesprochen wird, mit der Hormonkonzentration. Mädchen die einen für ihr Geschlecht überdurchschnittlichen Testostertonkonzentration haben, wählten eher Spielzeugautos und „typisch jungenhafte“ Spielsachen aus als andere Mädchen und umgekehrt Jungen mit einer für ihr Geschlecht unterdurchschnittlichen Testostertonkonzentration (im Verhältnis zum Östrogenspiegel) wichen häufiger von der „jungenhaften Spielzeugwahl“ ab.

Dies ist aus jüngeren Untersuchungen bekannt und floss in diese sehr informative BBC-Dokumentation ein. Es sind Erkenntnisse, die auf einen stärkeren Einfluss des biologischen Geschlechtes auf das Verhalten hindeuten, als vom sogenannten „gender mainstreaming“ angenommen, denn natürlich hängt der Hormonhaushalt kausal mit den genetischen Anlagen zusammen und wird nicht (nur) durch die Umgebung bestimmt.

Doch wie konnten sich die Annahmen des „gender mainstreaming“, wonach fast alle Geschlechterunterschiede (außerhalb der sehr eng definierten Fortpflanzungprozedur von der Zeugung bis zum Ende der Stillzeit) gesellschaftlich konstruiert seien, eigentlich durchsetzen, wenn sie doch bei näherem Hinblicken weder aus gesellschaftlicher und persönlicher Erfahrung und Wahrnehmung heraus intuitiv, noch angesichts der evolutionären Entwicklung der Menschheit naheliegend sind?

Nun, es passt natürlich zum Wunsch vieler Intellektueller die Gesellschaft nach ihren Wünschen formen zu können, ohne dabei auf so etwas wie eine menschliche Natur Rücksicht nehmen zu müssen. Doch es konnte vor allem geschehen, da es tatsächlich Ergebnisse (insbesondere aus der Vorurteilsforschung) gibt, die durchaus auch die Auswirkungen gesellschaftlicher Erwartungshaltung auf die Leistung einer Person belegen. Hierüber erfährt man auch was im deutschen Fernsehen, weshalb ich hierfür auf die Folge „Mädchen und Mathematik“ aus der Reihe „Geist und Gehirn“ auf BR-Alpha verweise:

http://www.br.de/fernsehen/br-alpha/sendungen/geist-und-gehirn/geist-und-gehirn-manfred-spitzer-gehirnforschung294.html

Es wurde, wie in der verlinkten Sendung schon wunderbar aufbereitet und verdeutlicht wird, ein Einfluss des Selbstbildes und der Erwartungshaltung auf die Leistungen in einem Mathematiktest nachgewiesen. Das an sich ist jetzt nicht einmal so verwunderlich. Bei diesen Assoziationen, die in den jungen, weiblichen Probanden ausgelöst wurden, handelte es sich jedoch um gesellschaftliche Geschlechterbilder:

In einer Gruppe (G – Genetik) wurde den Versuchsteilnehmerinnen ein Text vorgesetzt, in dem es um die (laut genanntem Text) natürlich bedingten, schlechteren Fähigkeiten von Mädchen und Frauen in Mathematik ging. Dies sei genetisch bedingt und hierdurch seien Männer im Schnitt rund 5% besser.

In einer anderen Gruppe (KU- Keine Unterschiede) wurde den Versuchsteilnehmerinnen eine Argumentation vorgelegt, nach der es keine natürlichen oder sonstigen Geschlechtsunterschiede gebe und das Potential sei, auch statistisch, bei Männern wie auch Frauen gleich.

Einer dritten Gruppe (K – Kunst) wurde eine kurze Abhandlung über die Rolle der Frau in der Kunst vorgelegt.

Eine vierte Gruppe (E – Erfahrung) erhielt wie die erste Gruppe die Behauptung vorgesetzt Männer seien rund 5% besser, dies liege jedoch an einer stärkeren Förderung und Forderung von Jungen im Grundschulalter.

Über diese Texte sollten die jungen Studentinnen jeweils einen kurzen Text verfassen, es wurde ihnen dabei gesagt es handele sich um einen Deutschtest. Darauf folgte ein Mathematiktest.

Die Ergebnisse waren, man kann es sich eigentlich schon denken, eindeutig: Die Gruppen KU und E lagen ungefähr gleich auf und schnitten deutlich besser ab als die Gruppen K und G. Ja, auch bei der eigentlich total mathematikfernen Behandlung der Bedeutung des Weiblichen in der Kunst gab es deutliche (!), negative Auswirkungen auf die Leistungen im Mathematiktest im Vergleich zu KU und E, nur die Gruppe G war noch etwas schlechter.

Wenn also jemand bestärkt wird etwas zu können, dann schneidet er in einem darauf folgenden Test besser ab, als wenn dies nicht geschieht. Soweit überhaupt nicht überraschend.

„Eine sehr schöne Studie, die das wirklich ganz klar gezeigt hat“, meinte dazu Professor Manfred Spitzer in seiner Sendung und es wird im Kontext leider nicht ganz klar, auf auf was er sich genau bezieht. Darauf, wie negative Gedanken die eigene Leistungen dämpfen, während positive Bestärkungen die eigenen Fähigkeiten zur Geltung kommen lassen und beflügeln können? Oder, dass alle statistischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern nur auf solche gesellschaftlichen Vorstellungen zurückzuführen seien? Ich gehe mal von ersterem aus, was keine besonders verwunderliche Erkenntnis seien dürfte, sondern eher allgemeine Erwartung. Doch über eventuell weitergehende, nicht nur gesellschaftlich ausgelöste Geschlechterunterschiede sagt dies er einmal nichts aus. Denn in Bezug auf Mathematik gibt es zwar tatsächlich kaum Unterschiede zwischen den Geschlechtern bezüglich der durchschnittlichen Leistung. Bezüglich der Verteilung unterscheiden sie sich aber natürlich schon, denn die Varianz (also der Durchschnitt der Abstandsquadrate vom Durchschnitt) ist bei Männern größer als bei Frauen, letztere neigen also mehr zum Durchschnitt. Ein Fakt, der die höhere Männerquote unter Mathematikprofessoren durchaus mit erklären kann, nicht nur in der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät, denn in anderen Bereichen zeigen sich ja ähnliche Varianzunterschiede, immer mit der selben Tendenz: Frauen neigen mehr zum Durchschnitt als Männer und zwar selbst in Bereichen in denen Frauen im Durchschnitt besser sind als Männer. Es gibt also bei den Männern mehr Nulpen, aber auch mehr Überflieger, die dann z.B. Professor werden.

Auch gibt es, wie weiter oben bereits ausgeführt, statistisch Verhaltensunterschiede, die sich vermutlich auf den Einfluss von Hormonen zurückführen lassen, und Hormonkonzentrationen hängen statistisch-kausal mit dem genetischen Geschlecht zusammen. Das Testosteron zum Beispiel einen Einfluss auf die Bereitschaft hat, sich in einen Bereich mit hohem Konkurrenzdruck zu begeben (wie einer Manager-Karriere), erscheint mit auch keine so abwegige Annahme. Zumal dies, wie auch die Neigung der Frauen zum Durchschnitt, durchaus evolutionäre Vorteile haben könnte. Die im einzelnen entbehrlichen Männchen können für ein paar Experimente, Wagnissen und im (blutigen) Konkurrenzkampf ruhig auch im Einzelfall häufiger verheizt werden (aber „wer wagt gewinnt“, wenn er ins schwarze getroffen hat), während eine Frau nur eine sehr beschränkte Anzahl an Kindern bekommen kann und jede einzelne daher für den Arterhalt Gold wert ist („keine Experimente!“ als sich, statistisch niederschlagende, Leitlinie). Das ist natürlich grob vereinfachend und es gibt auch andere Faktoren. Auch bei Frauen ist eine angemessene Variation zwischen den Individuen von Vorteil, welche ja auch vorkommt, bloß in geringerem Ausmaß.

Aber kann die Betonung dieser natürlichen, biologischen Unterschiede (als eindeutig auch genetisch mit bedingt) diese nicht auch gesellschaftlich verstärken? Natürlich, dies wurde ja gezeigt. Sollte man also nicht lieber, der Gerechtigkeit der Individuen gegenüber, über solche statistischen Unterschiede schweigen, um sie nicht überflüssig zu verschärfen? Im Bereich der wissenschaftlichen Forschung, nein. Eine Forschung, welche nur die gewünschten Fakten wahrnimmt, wäre nicht mehr wissenschaftlich. Und auch gesellschaftlich ist das Verschweigen von Informationen kein guter Rat. Allerdings wäre die Notwendigkeit die genannten Erkenntnisse zu betonen ja weitaus geringer, wenn man nicht ständig die Behauptungen der Gender-Anhänger widerlegen müsste. Und das muss man, denn man kann nach allen derzeitigen Erkenntnissen falsche Behauptungen, die jedoch als wissenschaftlich ausgegeben werden, nicht einfach unwidersprochen im Raum stehen lassen.

Kurz: Ohne die der Gendertheorie verschriebene Strömung des Feminismus wäre die bewusste Betonung und Erinnerung an diese statistischen, biologische Unterschiede (mit ihren eventuellen Auswirkungen auf die eigenen Erwartungshaltung) weitaus seltener notwendig.