Auf den (englischsprachigen) Science Blogs hat jemand ein interessantes Video zur Vermögensverteilung in den USA online gestellt:

http://scienceblogs.com/gregladen/2013/03/01/wealth-inequality-in-america/

 

Darin zeigt sich, dass viele die Ungleichverteilung der Vermögen (das Thema in dem Video sind nicht die Einkommen, auch wenn es selber diesbezüglich mal auf die falsche Fährte lockt) unterschätzen. Selbst ein Großteil der oberen 20% (das oberste Quentil) hat weniger Vermögen als die meisten glauben und ein Teil des obersten Quentils hat sogar weniger als sie in einer (von über 90% der befragten Amerikaner) als ideal betrachteten Verteilung hätten. Die Realität weicht sowohl von der verbreiteten Annahme als auch von der als Ideal betrachteten Verteilung ab und zwar hauptsächlich zu Gunsten des obersten einen Prozentes.

Ist das Ideal? In dieser Extreme bestimmt nicht.

Ist das Video informativ? In gewissem Sinne schon. Es leitet jedoch auch in die Irre und möchte offensichtlich nicht nur informieren, sondern Stimmung machen. Hierzu werden gegen Ende auch schon einmal Vermögen und Einkommen durcheinander gemischt. Zum Beispiel wird am Ende auf das Einkommen eines CEOs abgestellt, der über 300 mal mehr verdient als der Durchschnitt in seinem Unternehmen. Aber hier geht es, ohne das dieser Gedankenbruch klar gemacht wird, plötzlich um das Einkommen.

Man muss sich hier noch einmal vor Augen halten: Es geht bei der vorher eindrucksvoll dargestellten, stark ungleichen Verteilung nicht um die Einkommen, sondern um die Vermögen, also die Substanz.

Eine beliebte Reaktion auf diese Ungleichverteilung ist, die Reichen (die man vorher implizit über das Vermögen definiert hat) verstärkt zur Finanzierung laufender Kosten heranziehen zu wollen. Da es um das Vermögen geht, wird der Ruf nach einer Vermögenssteuer schnell aufkommen.

Spielen wir das für Deutschland mal durch. In Deutschland liegt das Durchschnittsvermögen irgendwo zwischen 60 und 70 Tausend Euro pro Kopf.
Dies wäre das Vermögen eines jeden einzelnen, wäre unser heutiger Besitzstand zu 100% gleichverteilt. Zu 100%, also das unrealistische Gleichverteilungsszenario, bei dem die Wirtschaft schon längst zusammengebrochen wäre. Gleicher geht nicht mal hypothetisch.

Nun nehmen wir eine Vermögenssteuer von 3% an. Das ist eine hohe Vermögenssteuer. Man darf hierbei nicht vergessen, das hier nicht der relative Anteil am Einkommen, der an den Staat abzuliefern ist, angegeben wird, sondern der prozentuale Anteil am Vermögen, aus dem (eventuell) Einkommen generiert wird. Jedes Vermögen, mit dem der Eigentümer weniger als 3% Rendite oder Wertsteigerung erzielt, das aber trotzdem mit dieser Vermögenssteuer belastet wird, schrumpft. Es geht an die Substanz. Alles was weniger als 4% Rendite oder Wertsteigerung abwirft liefert nur noch eine Nettorendite von unter 1%. Wenn darauf noch eine Einkommenssteuer folgt, schrumpft der Nettobetrag weiter.

Nehmen wir an die Vermögenssteuer würde auf jedes Vermögen, ohne jeden Freibetrag und ohne Ausnahme, gelegt werden. Dann hätten wir ein Steueraufkommen von

70 000 € x 0,03 = 700€ x 3 = 2100€

pro Kopf und Jahr.

Pro Monat wären dies 2100€ / 12 =  175€ an Steuereinnahmen – wenn nicht nur die Reichen damit besteuert werden, sondern jeder ohne Freibetrag.

2011 betrug der Bundeshaushalt ungefähr 305 Millarden Euro. Wie viel davon könnte man über eine eben von mir skizzierte  Vermögenssteuer abdecken?

2100 € * 80 000 000 = 21 000 000 000 € * 8 = 168 000 000 000 €

168/305 = 55,08%

Hierbei geht es an die Substanz. Die meisten Vermögen, insbesondere die kleineren Vermögen, erzielen im Schnitt keine Rendite von über 3%. Schonmal gar nicht bei den aktuellen Leitzinsen.

Spielen wir zuerst das Szenario einer Vermögensbesteuerung ohne Freibetrag einmal durch:

Warum sollte irgend jemand unter diesen Umständen noch ein Vermögen aufbauen? Warum Anlegen und Investieren, wenn dies unter dem Strich bestraft wird – mit Vermögensverlust? Da doch lieber Konsumieren. Es würde also gerade diese Ungleichverteilung zementieren, da der Aufbau von Vermögen erschwert wird. Natürlich gibt es die ökonomischen Strömungen, welche in viel Konsum eine Quelle des Wirtschaftswachstums sehen. Dies gilt aber höchstens bei nicht ausgelasteten Kapazitäten. Damit diese entstehen braucht es aber zuerst Investitionen. Die muss jemand tätigen. Einige sähen am liebsten nur noch den Staat als Investor tätig. Private werden nur dann auch nicht vollkommen sicheren Investments betreiben, wenn es auch eine entsprechende (Netto-)Rendite gibt. Letztendlich werden Investitionen zugunsten des Konsums zurückgestellt werden, wenn die Rendite den Konsumverzicht nicht mehr ausgleicht. Langfristig ist das kein Weg zum Wohlstand!

Investieren darf kein Minusgeschäft werden und wenn es sich nicht um absolut sichere Investments handelt, die ein AAA-Rating wirklich verdient haben, wird sich auch niemand mit 0,1% Rendite für das Risiko und den Konsumverzicht zufrieden geben. Der Gesamtwohlstand der Volkswirtschaft kann aber nicht nur mit Tripple A Investments gewährleistet und erhalten werden. Und ich rede hier von der Netto-Rendite, alle Steuern und Abgaben sind Kosten für den Investor.

Dieses Szenario kann also nicht gut gehen.

Aber es geht doch nur um eine Besteuerung der Reichen, oder? Ja, so wird es öffentlich gefordert werden. Nehmen wir einmal an, es würden tatsächlich nur die obersten 5% oder gar nur das oberste 1% mit der Vermögenssteuer belastet, dann wären die Einnahmen aus einer solchen Vermögenssteuer aber auch noch einmal deutlich geringer. Und auch hier gilt: Ein solches Vermögen baut nur auf, wer meint es realistisch halten zu können. Warum sonst darauf verzichten, dass Geld zu verprassen, anstatt zu Investieren, wenn es einem ansonsten genommen wird?
Und für die Steuerbelastung müssen alle Steuern, Einkommens- und Vermögenssteuer, zusammengerechnet werden. Die Steuerbelastung darf nicht so hoch werden, dass sich nachhaltiges Investieren gegenüber dem kurzfristigen Verprassen nicht mehr lohnt. Nachhaltiges Investieren mit moderaten Renditen muss sich auch gegenüber kurzfristigen Superrenditen lohnen, schließlich wird letzteres ja auch regelmäßig kritisiert.  Dafür muss aber nach den Steuern, sowohl Einkommens- wie auch Vermögenssteuer, noch etwas übrig bleiben, sonst macht das keiner.  Und ein Vermögen, das alleine schon auf Grund der Steuerlast sinkt und deswegen in der Regel erst gar nicht aufgebaut wird, kann schlussendlich auch nicht besteuert werden. Und wenn jemand ein großes Vermögen erst gar nicht aufbaut, so heißt dies nicht, dass diese Werte dann unbedingt jemand anderes, nur (angeblich) gerechter verteilt, an seiner Stelle hat. Verprasste Ressourcen sind verprasste Ressourcen. Verprasste Kaufkraft ist verprasste Kaufkraft.

Sollte das oberste Prozent mehr an den öffentliche Ausgaben beteiligt werden? Ja.

Aber auch hiermit darf man es nicht übertreiben und vor allem sollte jeder im Hinterkopf behalten: Wer soziale Wunder- und Wohltaten, die laufende Kosten verursachen, verspricht und meint das alles und noch viel mehr aus einer Substanzbesteuerung (ohne Nebenwirkungen) finanzieren zu können, leitet in die Irre. Wer hierbei nur an die Emotionen und den Instinkt, der bei solchen Zahlen versagt, appelliert, hartes durchrechnen vermeidet und selbst, wenn er dies scheinbar doch macht, keinen Gedanken daran verschwendet, wie seine Besteuerungspläne sich eigentlich auf die Besteuerungsgrundlage auswirken, sollte mit Skepsis begegnet werden.

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